WHATEVER DEMONSTRANDUM

Grotesk. Entmenschlicht. Oder Teil der gar nicht mehr so „neuen Normalität“? Das Wesen im gelben Schutzanzug, der Hazmat, 2016 vom Künstlerduo SUTOSUTO erstmals aufs Papier gebracht. Wer hätte gedacht, dass diese düstere Prophezeiung so bald schon zu einer skurrilen Wirklichkeit wird? Seine Macher beschäftigen sich schon seit Langem mit gesellschaftlich, politisch und ökologisch relevanten Themen. Ihre surrealen Bildwelten setzen sich aus klassischen Zeichen- und Maltechniken, aber auch aus Streetart-Elementen und digitalen Medien zusammen. Erstmals vollziehen sie nun auch den Sprung ins Dreidimensionale. Zu sehen ist dies in SUTOSUTOs aktueller Reihe „whatever demonstrandum“. In dieser Reihe steht das Wesen im Hazmat-Anzug immer wieder im Mittelpunkt. Platzhalter für jeden von uns und dennoch für keinen Einzelnen. Wovor will oder muss es sich eigentlich mit diesem Anzug schützen? Vor den Auswirkungen der menschengemachten Katastrophen: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Naturkatastrophen, Hungersnöten, Wassermangel, Pandemien und Krieg? In seinem Anzug scheint das Wesen geschützt. Und isoliert. Eingeengt. Allein. Paradebeispiel für die lange propagierte „Soziale Distanz“. Eingeschlichen hat sie sich nicht nur in unseren Wortschatz, sondern kriecht auch in unsere Gehirne und Herzen. Das spiegelnde Visier des Hazmats lässt uns keinen Blick auf das Gesicht seines Trägers erhaschen. Kein Lachen. Kein Weinen. Wir kapseln uns ein, entfremden uns. Toleranz und Offenheit für Menschen anderer Meinung, Ethnie oder Glauben verkümmern. Wissenschaftler warnen schon lange: Anhaltende soziale Abschottung führt zu Depression, Empathieverlust und Zunahme der Aggressionen. Rosige Aussichten für unser gesellschaftliches Miteinander. Unsere Weltsicht reduziert sich zunehmend auf die eigene Filterblase, was den Vertrauensverlust in neutrale Berichterstattung und die Verleugnung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse befeuert. Die kollektive Unfähigkeit zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden und sich auf grundsätzliche Tatsachen zu verständigen, trägt weiter zur Polarisierung unserer Gesellschaften bei und wird es uns noch schwerer machen, die bevorstehenden Herausforderungen gemeinsam anzunehmen und zu meistern. Die Figur des Hazmat führt uns eine düstere, kalte Welt vor Augen. Vielleicht bringt uns dieser Ausblick dazu, gerade weil er gar nicht mehr so absurd und lebensfremd erscheint, sondern plötzlich ziemlich real und greifbar, unsere Ansichten und Lebensweisen zu hinterfragen und umsichtiger miteinander und mit unserer Welt umzugehen und danach zu handeln. Das wünscht sich SUTOSUTO.

VISION

Es geht um nicht weniger als unser aller Zukunft. Dystopisch kommen die Werke von SUTOSUTO daher. Aber sie zeigen nicht nur eine irreversible, hoffnungslose, futuristische Zeit, sondern stehen als groteskes Mahnmal für das, was auf uns und die Erde zukommen kann, wenn wir unseren Lebensstil nicht energisch zum Nachhaltigeren hin verändern und ganz allgemein nicht bald als Weltgemeinschaft handeln. SUTOSUTO nutzt hierfür nun nicht mehr nur – wie altbekannt – die Sprache der Bilder, sondern auch skulpturale Werke, um die Botschaft zu verbreiten; mit Plastiken aus Plastik will SUTOSUTO die Kunstwelt aufmischen, wachrütteln, zum Umdenken bringen. Und wie das? SUTOSUTO stellt einer fast 220 kg schweren Bronzefigur selbst hergestellte Statuen aus zum Teil recyceltem Plastik gegenüber. Althergebracht und in der Kunstwelt anerkannt gegen vermeintlich günstig und minderwertig. Also scheinbar wertvoll gegen wertlos? Ganz und gar nicht! SUTOSUTO erhebt Plastik zum Wertstoff, ein wichtiges Material, das es im Überfluss in unserer Welt zu geben scheint und das wir endlich wie eine wertvolle Ressource behandeln müssen. Plastik nimmt einen großen Teil der „whatever demonstrandum“-Reihe ein und wird hier wortwörtlich zur Plastik erhoben. Nicht nur, dass althergebrachte Wege oft verschwenderisch und wenig ressourcenschonend sind – deshalb eine Bronze – , die Verwendung von (recyceltem) Plastik als Material für Kunstobjekte kann einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Verwendung leisten.

Vision

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